Da hat er sich aber aufgeregt …

Zugegeben, manchmal geht es mit mir durch.

Bei der Flut an E-Mails voller grausamer Bilder kann es schonmal passieren, dass die Nerven blank liegen. In solchen Situationen gilt es dann trotz aller harten Tatsachen Ruhe zu bewahren.

Vor einiger Zeit erst hatten wir hier auf Lassy.org einen Artikel über die unfassbaren Vorwürfe gegen die Betreiber eines Tierheims in Südeuropa veröffentlicht, den wir aus Rücksicht auf die körperliche Unversehrtheit der TierschützerInnen vor Ort wieder entfernen mussten.

Als ich kurz darauf die Gelegenheit hatte, mir vor Ort selber ein Bild  zu machen, fiel es mir massiv schwer, dem Leiter des Tierheims nicht gepflegt an die Gurgel zu gehen. Gezwungenermaßen blieb ich ruhig und machte gute Miene zum bösen Spiel.

Schliesslich hilft es niemanden und den Tieren am wenigsten, wenn man in Hysterie verfällt.

Während meiner Recherche im Internet bin ich vor einiger Zeit auf eine Website gestossen, deren Betreiber sich mit dem Thema Tierschutz im Allgemeinen und der Streunerhunde-Problematik im Speziellen beschäftigt.

Zwischen vielen reißerisch geschriebenen Artikeln mit Bildern der unappetitlichen Sorte fand ich einen Aufruf, sich dem Autor anzuschliessen. Es reiche, er habe die Schnauze voll, Petitionen brächten uns nicht weiter und es sei an der Zeit, endlich etwas zu unternehmen. Natürlich könne dies nicht immer legal sein, aber das wäre ihm mittlerweile egal, man müsse gegen die Leute vorgehen, die Tiere quälen und töten.

Grundsätzlich gebe ich dem Verfasser natürlich recht.

Dem entsprechend war ich für den Aufruf des wütenden Webseitenbetreibers zugänglich und tat wie mir geheissen. Ich schrieb eine E-Mail mit dem Betreff “Schluss jetzt”* und wartete gespannt auf eine Antwort.

* Der Betreff lautete anders.

Und es tat sich: Nichts.

Nach einigen Tagen wendete ich mich erneut an den revolutionären Autor:

Hallo […],

vor einigen Tagen schickte ich dir auf deinen Aufruf auf deiner Internetseite hin eine E-Mail. Auch ich habe – gelinde gesagt – die Schnauze voll und würde dich/euch gerne unterstützen.

Leider habe ich bis jetzt keine Antwort erhalten, dabei habe ich viele Fragen:

Welche Aktionen plant ihr? Wie können wir gemeinsam gegen Tierquälerei, vor allem in […] vorgehen? Wie kann ich aktiv werden? Und wie sehen deine Lösungsansätze aus?

Es würde mich freuen, wenn du dich bei mir melden würdest!

So weit, so gut. Und wieder tat sich: Nichts.

Tatsächlich hätte es mich auch gewundert, wenn ich eine Antwort bekommen hätte. Wenn der Autor mir schlüssige Lösungen und Konzepte gepaart mit abzuarbeitenen Checklisten, was wann getan werden muss, gesendet hätte.

Dann hätte er nämlich ein Wissen, über das keine Tierschutzorganisation bis heute verfügt. Vielmehr sind die Nerven mit ihm durchgegangen und er hat sich den Frust von der Seele geschrieben.

Verstehen kann ich das sehr gut, aber geholfen hat es nicht.

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