Hässliche Chancen in der Krise …

Zugegeben, dieser Text hat nur am Rande mit Tierschutz zu tun, dennoch sollte er vielleicht zum Nachdenken anregen.

Vor einigen Tagen konnte man (z.B. bei TASSO) nachlesen, dass immer mehr Tiere ausgesetzt werden und in diesem Jahr die Zahl der Abgaben in Tierheimen massiv zugenommen hat.

Wie fast alles, was im Moment an kleinen Schweinereien passiert, wird auch dieser Umstand von vielen daran festgemacht, dass wir uns in einer Wirtschaftskrise befinden und die Menschen einfach kein Geld mehr haben, um ihre Tiere zu ernähren.

Tatsächlich lässt mich jedoch das Gefühl nicht los, dass die wahren Gründe hierfür nicht allein finanzielle Probleme sind. Schauen wir uns einmal an, wie die Situation zur Zeit hier und anderswo aussieht:

Während die Banker als Sündenböcke der Nation dastehen, weil sie sich gierig und risikoreich in Geschäfte stürzten, um in aller erster Linie das eigene Konto zu füllen, wird schnell vergessen, dass dies nur möglich war, weil die Politik solche Praktiken gesetzlich gefördert hat. Erst 2007 wurden entsprechend Gesetze und Kontrollen gelockert, um den Banken größtmögliche Freiheit zu geben.

Außerdem gab und gibt es viele Menschen, die diese Finanzprodukte gekauft haben. Gerne wird in der allgemeinen Berichterstattung vergessen, dass es nicht nur ahnungslose Opfer gab, sondern auch viele Investoren, die sich des Risikos vollumpfänglich bewusst waren.

Und wir sind keinen Deut besser.

Ist es nicht so, dass alle über die “Geiz ist Geil”-Kampagne schimpften, aber in Wirklichkeit genau nach diesem Credo leben?

So ist es kein Problem, sich beim örtlichen Einzelhändler Beratung zu holen, aber im Discounter zu kaufen. Wir regen uns über Gammelfleisch und Kinderarbeit auf, kaufen dennoch abgepackte Ware und Billig-T-Shirts. Und in einer Zeit, in der wir alle über hohe Benzinpreise jammerten, stiegen die Verkäufe von Sprit-schluckenden SUV-Fahrzeugen.

Wir kaufen Markenkleidung, Jamba-Abos, Cluburlaube und Flachbildfernseher und haben kein Geld mehr, unsere Tiere zu ernähren. Wir setzen uns gegen andere durch und legen unser ganzes Augenmerk auf einen Wettbewerb, den es so garnicht gibt. Ein “Kampf”, der uns in den letzten Jahren aufoktruiert wurde – durch Medien, durch Politiker, unsere Arbeitgeber und Familen.

Es muss “weiter” gehen und wir müssen in harten Zeiten flexibel sein. Und wenn das bedeutet, dass wir unseren Hund aussetzen, unsere Katze ins Tierheim bringen oder unsere Mutter in den Seniorenstift, so tun wir das, als gäbe es nichts sebstverständlicheres.

Und all das, um mitzuhalten? Nicht hinten anstehen und Karriere zu machen?

Ich habe das Gefühl, dass wir – nachdem wir nicht mit Lehmann reich geworden sind – nun eben anderweitig unser Geld zusammenhalten müssen. Merkwürdiger Zwang. Denn jedes Mal, wenn wir uns freuen, etwas gespart zu haben, vergessen wir völlig, dass wir dafür auch etwas ausgeben mussten. Freude über Verzicht liegt nicht in der Natur des Menschen, Tausend Euro ausgeben, um 50 Euro zu sparen allerdings umso mehr.

Nun, ich habe zehn Jahre Werbebranche hinter mir und ich kann Ihnen versichern, dass der neue, tolle Gegenstand Ihrer Begierde bereits veraltet ist, während Sie noch mit kindlichen Blick Preise vergleichen und Kataloge durchstöbern.

Während Sie noch überlegen, was Sie Ihren Lieben zu Weihnachten schenken, planen die Unternehmen schon die nächste Sommerkampagne.

Der nächste Sommer. Bis dahin haben viele bereits neue Tiere gekauft und wieder ausgesetzt.

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