Im Tal der Ahnungslosen

oder die Onmacht der Unwissenden

Heute fand in Hanau eine kleine Demonstration gegen die Rodeo-Veranstaltung von “Rodeo America” statt. Die Betreiber, über die ich auch schon in anderem Kontext vor ein paar Tagen berichtet hatte, tingeln mit ihrer “Show” durch die Lande und sind dann immer für ein oder zwei Veranstaltungen – ähnlich wie ein Wanderzirkus – an einem Ort, bevor sie weiter reisen.

Und natürlich sind sich die Kleinstadt-Cowboys darüber im Klaren, dass Aktivtäten wie Bareback Riding (ein buckelndes Pferd ohne Sattel reiten) und Break Away Calf Roping (Kälber mit dem Lasso fangen) TierschützerInnen auf den Plan rufen, weshalb auf der Homepage von den Westernfans dieses Thema ein eigenes Kapitel erhalten hat, in dem jede Menge “Argumente” aufgelistet sind, die belegen sollen, dass so ein Rodeo für Pferd, Bulle, Kalb etc. völlig ungefährlich ist. Selbst vermeintliche “Siege” gegen Demonstranten hat der hessische John Wayne  veröffentlicht.

Nun gut, zum Einen lassen sich die Erkenntnisse in Sachen Tierschutz des Rodeochefs relativ leicht widerlegen, des Weiteren ist zumindest einer der gemeldeten Erfolge schlicht erfunden. Aber naja, meine Meinung zu dem Thema dürfte wohl klar sein. Nichts desto trotz habe ich heute eine Interview-Anfrage rausgesendet und bin mal gespannt, on es uns gelingt, eine kontroverse oder vielleicht sogar konstruktive Diskussion hinzubekommen …

Wo wir beim Thema Diskussion sind, kommen wir auch zum eigentlichen Grund für diesen Artikel, nämlich zum heutigen Protest, der ehrlicherweise eher ein Protestchen war. Es ist immer wieder schade, dass solche “Randthemen” des Tierschutzes nur wenige Menschen anziehen – gerade in Hinblick auf die doch recht zahlreichen Tierschutz-Interessierten.

Immerhin hatten sich doch ca. Zwanzig DemonstrantInnen gefunden, die sich auf der Zufahrt der Veranstaltung mit Transparenten postiert hatten und Infoblätter an die relativ wenigen Besucher des Rodeos verteilten.

Leider musste ich bereits nach kurzer Zeit feststellen, dass der tierschützerische Ansatz die Besucher vollkommen überforderte.

Der qualifizierteste Kommentar aus der “Yihaaa”-Fraktion war der, dass der mitgebrachte Hund wasser bräuchte, weil das sonst auch Tierquälerei wäre. Allerdings benötigte der Kommentargeber nach einem kurzen Streitgespräch etwa fünf Minuten, bis er triumphierend zurückkehrte um den verblüfften ProtestlerInnen dieses Highlight der intellektuellen Streitkultur entgegenzuschleudern.

Abgesehen davon kamen die üblichen Killer-Argumente ála “Geht erstmal arbeiten” oder “Geht doch nach Rumänien “(?) – ansonsten ungläubiges Kopfschütteln, “Lasst mich doch in Ruhe”, Wegsehen und – der Klassiker der Übersprungshandlungen –  Auslachen.

Der Ansatz war auch der falsche. Die BesucherInnen und TeilnehmerInnen der Veranstaltung haben viel weniger cryptische Defizite. Denen mit Tierschutz zu kommen, ist vergleichbar damit, einen Grundschüler eine Abiturarbeit schreiben zu lassen.

Das soll nicht pauschalierend sein, aber, wie sagt man so schön? Wir hatten es mit extrem flachen Kompetenzen zu tun bzw. mit extremer Ahnungslosigkeit gepaart mit Bildungsferne und fest manifestierten Weltbildern aus einer (glücklicherweise) längst vergangenen Zeit.

Der durchschnittliche Besucher muss (leider) erstmal an viel grundlegendere Themen herangeführt werden. Das ein Auto, welches 25 Liter Benzin verbraucht weder für die Umwelt noch für das vermutlich eh nicht dicke Portmonaie besonders gut sein kann. Das es nicht gut ist, seine Kinder mit McDo*** fett zufüttern oder das Differenzen eben nicht durch Schreien gelöst werden können.

Hier geht es um Basics des Zusammenlebens, welches viele der Menschen, die mir heute begegnet sind, leider nicht verinnerlicht haben.

Wer Grundzüge des sozialen Verhaltens nicht beherrscht, kann unmöglich verstehen, was an einer solchen Veranstaltung falsch sein soll.

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