Kalbsembryonen für “Gourmets” und die Folgen

Folgende Info erreichte uns heute:

Urspung war folgende Meldung vom 8. Januar, die wie folgt lautete:

Kommenden Samstag, 10.1.2009, 14 Uhr, Galerie Wechselstrom, Wien

Übermorgen findet tatsächlich in Wien eine “Kalbsembryonenverkostung” statt – der “letzte Schrei” für egomanische, durchgeknallte “Gourmets”, denen “normale” Leichenteile offenbar schon nicht mehr genügend Gaumenkitzel bereiten können. Veranstalter dieser neuen Perversion ist ein gewisser Herr Christoph Theiler, Betreiber der Galerie Wechselstrom in 1160 Wien, Grundsteing. 44/1/5, , Tel. (+43) 0676/3098066, 01/4074262 (falls Sie Ihrem persönlichen Protest Ausdruck verleihen wollen).

Laut dessen Angaben werden die Kalbsembryonen – angeblich “unter strengster Einhaltung tierschutzrechtlicher Bestimmungen” – in der 22.-25. Trächtigkeitswoche “unter fachärztlicher Kontrolle per Kaiserschnitt gewonnen”. Und weiter: “Sobald der Embryo an der Luft ist, wird er schnellstmöglich mittels Herzstich getötet. Der Eingriff selbst ist für das Muttertier so leicht verträglich, daß es nach einer relativ kurzen Erholungsphase, also nach etwa 2 Wochen bereits wieder besamt werden kann…”.

Der “Künstler und Musiker” Christoph Theiler ruft in seiner Aussendung sogar noch dazu auf, “kreative Rezeptideen” zu schicken, die dann am 10. Jänner “realisiert” werden sollen, wobei die besten 3 Rezepte mit je 100,- Euro honoriert werden. Eintrittspreis für dieses “exklusive Gourmet-Event” beträgt übrigens lächerliche 45,- Euro – soviel ist diesen Leuten wohl ein abgetriebenes Tierkind wert…

Dazu Tierschützer und Tierarzt Dr. Franz-Joseph Plank, Obmann von ANIMAL SPIRIT: “Diese neue Perversion setzt wohl allen bisherigen Tierquälereien im Namen der “Kunst” und des bis zum Erbrechen zelebrierten “Gaumenkitzels” die Krone auf. Man kann sich hier nur fragen, welche “Tierärzte” für diese Gourmet-Perversion und vermutlich auch für viel Geld die Ethik ihres Berufsstandes derart mit Füßen treten. Tatsache ist jedenfalls, daß das hier strapazierte Tierschutzgesetz derartige Perversionen nicht einmal auflistet und daher auch keine Sanktionen dagegen vorgesehen sind. Wann wird der Gesetzgeber endlich auf die jahrelange Forderung sämtlicher Tierschutzvereine eingehen und Tierschutz in die Verfassung schreiben, damit nicht mehr jegliche nur erdenkliche Tierquälerei als “Kunst” bezeichnet werden kann und somit Selbstdarsteller und Perverslinge à la Nietsch, Theiler & Co. vor Strafverfolgung immun sind?”

Rückfragehinweis: Dr. Franz-Joseph Plank, (+43) 0676-7082434

Heute folgte dann folgender Artikel, der die Reaktionen auf diese Aktion beschreibt:

“Embryonen-Verkostung” und die Folgen – ein Rückblick
„Es ist vollbracht“. Die „Embryonen-Verkostung“ fand also gestern in der Galerie Wechselstrom im 16. Wiener Bezirk statt, wenn auch hinter zugeklebten Fenstern im „privaten Rahmen“ und anders als vom „Künstler“ Christoph Theiler monatelang zuvor angekündigt. In einem Video-Interview (http://video.vienna.at/video/31621/kalbsembryos-als-delikatesse), wo auch wir von ANIMAL SPIRIT unsere klare Stellungnahme dazu abgeben, behauptet Herr Theiler, daß es sich hierbei um „rein vegetarische Embryonen aus der Petrischale“ handle.

Plötzlich also Vegetarier? Oder nur eine Schutzbehauptung, angesichts der massiven Angriffe durch die Öffentlichkeit (wir hatten zuvor noch auf keine Aussendung derartig viele – zu 100% diese Aktion verabscheuende – Reaktionen bekommen)? Oder doch nur „Provokation“ und Medienhascherei, um sich und seine bislang unbekannte, offensichtlich sich in einem desolaten Zustand befindliche „Galerie“ bekannt zu machen?

Unserer Meinung nach – egal was nun wirklich hinter verschlossenen Türen passiert ist – bereiten derartige Aktionen dem Tierschutzgedanken einen Bärendienst, können sie doch immer „Nachahmungstäter“ auf den Plan rufen, die derartige Perversionen an Tieren (und Menschen?) und sonstiges, was nur irgendwie vorstell- und machbar ist, tatsächlich ausführen, wenn auch vielleicht nicht öffentlich, aus Angst vor Strafverfolgung. Daß es solche Embryonen-Fressereien tatsächlich gibt, beweist obiges Foto, wenn auch “nur” aus dem asiatischen Raum… Wenn man – wie Theiler – einen „Künstler“ und Tierblut-Verschütter wie Hermann Nitsch als Vorbild hat, dann scheint es keine Tabus mehr zu geben – alles im Namen der „Kunst“ selbstverständlich. Umso berechtigter ist daher die Forderung sämtlicher Tierschützer an die Politik, Tierschutz endlich in den Verfassungsrang zu heben, um mit den Freiheiten von „Kunst“, „Wissenschaft“ und „Religion“ – unter deren Deckmäntelchen nach wie vor jegliche Tierquälereien erlaubt sind – in Zukunft wenigstens juristisch auf einer Ebene zu stehen.

Dr. Franz-Joseph Plank, ANIMAL SPIRIT

P.S.: Im Anhang nur 3 Beispiele von Reaktionen die wir auf unsere diesbezügliche Aussendung vom 8.1.09 erhalten haben:

Sehr geehrte Damen und Herren,
diese Anrede fällt mir schwer, denn selten habe ich etwas derartig Perverses lesen müssen. Was ist der nächste Schritt? Werden Lammföten, garniert mit frittierten Eintagsküken von nackten kleinen Mädchen z. B. aus dem Gazastreifen serviert? Was denken sich Eure kranken Hirne noch aus?
Meines Gutdünkens sollte man Herrn Theiler dringend auf seine geistige Gesundheit hin untersuchen. Und – falls diese Geschichte nicht nur eine Provokation darstellt – gehört den Mittätern aus der veterinärmedizinischen Fraktion ebenso dringend die Berufsausübung untersagt. Ihr Handeln widerspricht m. E. massiv jedem ärztlichen Ethos.
Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen muss.
Ihr äußerst angewiderter
E. G. Bergmann

Sg. Herr Künstler Christoph Theiler!
Ihrem Aufruf nach Bekanntgabe kreativer Rezepte folge ich gerne. Hier das Rezept:
1) Lassen Sie sich unter Regie von Hermann Nitsch von einem Tierarzt die Eier abschneiden, ohne Narkose, so kommen Sie als auch studierter Musiker schneller in eine höhere Stimmlage, in der Galerie Wechselstrom als öffentliches Spektakel; Herr Kolig möge Ihnen gleichzeitig als künstlerische Begleitung eine Rose in den Anus stecken und alles möge vom ORF-Kunstabteilung dokumentiert werden.
2) Das so abgetrennte Gehänge geben Sie danach als embrionalen Jungstierhoden aus und zum Verzehr frei. Vorher eine Stunde gut kochen. Dann mit feingehacktem Zwiebel und gepfeffert, scheibchenweise servieren.
Ich bin sicher, mit diesem auch künstlerisch besonders wertvollem Vorschlag die von Ihnen ausgelobten 100 Euro Preisgeld zu gewinnen.
MfG
Dr. Erwin Tripes

Guten Tag Herr Theiler,

wenngleich ich vermute, dass es sich bei der angekündigten “Kalbsemryonenverkostung” um eine Falschmeldung bzw. eine absichtlich abschreckend gemeinte “Kunstaktion” handelt (sie beschreiben Ihre Tätigkeit auf Ihrer Homepage u.a. auch mit “cultural hacking”), so möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass es bereits genug Perversitäten in der Welt gibt. Weitere Anregungen wie Ihre sind also durchaus entbehrlich und sollten nicht auch noch dazu dienen, andere kranke Gemüter auf noch absurdere Ideen zu bringen!

Ich vermute, dass Sie das Medienecho abwarten und sich – statt an den angepriesenen Kälberembryos – an den (hoffentlich zahlreichen) Verbalattacken und aufmarschierenden Tierschutzorganisationen laben werden. Dass Sie es nötig haben, zu solchen Mitteln zu greifen um etwas Publicity zu erhalten, spricht leider nicht für Sie und Ihr Kunstverständnis.

Was würden Sie von der – wie ich meine ebenfalls geschmacklosen Idee halten – eine Ausstellung mit Portraits von Tieren in einem Schlachthof zu machen, auf denen der Moment des Todes sichtbar ist. Schwarzweiß natürlich. Wenn schon zum kotzen dann ordentlich, oder? Man könnte ja auch die Besucher – unbemerkt natürlich – während der Bildbetrachtung fotografieren und diese Fotos an eine Wand projizieren. So könnten sich die Menschen endlich einmal selbst sehen, wie Sie aussehen, wenn Sie das Leid betrachten, an dem sie mit Schuld sind.
Ich freue mich auf Ihr Feedback!

meint
Konstantin Riemerschmid
p.s.: Ich will hoffen, dass Sie ein intelligenter Mensch sind. Bestimmt kennen Sie den Begrif “Zehent”. Dieser wurde im Mittelalter (und dort bewegen wir uns offenbar auf der Ideenebene) als der 10. Teil der “Feldfrucht” an die Kirche abgegeben. Ich fordere Sie also auf, 10% Ihres Jahres-Umsatzes (!) einer Tierschutzorganisation oder einem Gnadenhof (z.B. Animal Spirit, der ja für ein Medienecho gesorgt hat) zu spenden.
“Teilen” ist ja auch in Ihrem Familiennamen zu finden – tun Sie es also. Und nicht zu knapp!

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