Alcaudete

Eigentlich könnte Maribell mit ihrem Mann den Ruhestand geniessen. Sie könnte die Tage auf ihrem großzügigen Anwesen in Alcaudete, im Süden Spaniens verbringen und die Sonnenuntergänge auf ihrer Terasse betrachten.

Doch wenn die energische Dame anfängt, über die Probleme der Hunde in ihrem Heimatort zu erzählen, merkt man sofort, dass sie alles andere als eine ruhige Seniorin ist.

Schon auf der Suche nach ihrem Haus sagen die Nachbarn “Das ist die Frau mit den vielen Hunden” und tatsächlich leben zur Zeit zwölf Hunde vom Welpen bis zur Hundeoma bei ihr in einem Rudel.

“Die Menschen hier sind nicht böse” sagt Maribell “aber sie sind ignorant den Tieren gegenüber.” Eine Aussage, von der wir uns während unseres Aufenthaltes auf traurige Weise überzeugen konnten.

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Überall in der kleinen Stadt laufen Hunde auf der Straße herum. Viele Menschen lassen ihre Hunde nicht ins Haus, wie uns Maribell bestätigt. Und da kaum einer der Hunde kastriert ist, gibt es eine große Anzahl streunender Hunde in der strukturschwachen Region.

Die Menschen vor Ort interessieren sich nicht für das Schicksal der Streuner, schlimmer noch: Es scheint nahezu Volkssport zu sein, Hunde auf den Serpentinenstraßen im Umland zu überfahren. Immer wieder findet man Kadaver von Hunden am Wegesrand und als wir versucht haben, einen Streuner zu fangen, um ihn in eine Pension zu bringen, wurden wir selber Zeuge, dass es Leute gibt, die gezielt mit hoher Geschwindigkeit auf die Tiere “draufhalten”.

Tatsächlich entwickelte sich unsere Reise zu einer Art “Tourismus Brutale”. Maribell und ihre gleichnamige Mitstreiterin fuhren uns durch die Ortschaft und zeigten uns, wo sie unter welchen Umständen Hunde gerettet haben und wo sie leider zu spät gekommen sind.

Eine Hündinnen, die aus der Perrera gerettet wurde und nun ein Zuhause sucht

Eine Hündinnen, die aus der Perrera gerettet wurde und nun ein Zuhause sucht

Bei der Tötung der Tiere sind die Einheimischen durchaus im negativen Sinne kreativ. Als wir an einer Mauer halten, zeigt die Tierschützerin auf eine Öffnung und erzählt mir, dass ein Mann dort einen Hund angebunden hat und das Loch zugemauert hatte.

Diese Welpen wurden mit nur Tagen aus dem Müll gerettet. Nun werden sie nach Deutschland vermittelt

Diese Welpen wurden mit nur Tagen aus dem Müll gerettet. Nun werden sie nach Deutschland vermittelt

Die jüngere der beiden Maribells deutet auf einen Müllcontainer und berichtet, dass sie dort einen Wurf erst zwei Tage alter Welpen gefunden hatte, die sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten aufgepeppelt hatte.

In Container reingeschlagene Löcher als "Futterquelle" für die Hunde

In Container reingeschlagene Löcher als "Futterquelle" für die Hunde

Als uns auffällt, dass viele Mülltonnen und Container im Ort Löcher haben, werden wir aufgeklärt, dass die Einheimischen mit Spitzhacken Öffnungen in die Container schlagen, damit ihre Hunde daraus fressen und sie die Futterkosten sparen.

Der Süden Spaniens ist recht strukturschwach

Der Süden Spaniens ist recht strukturschwach

Doch nicht nur den Hunden ergeht es schlecht im Süden Spaniens. Alcaudete befindet sich mitten im Stierkampfgebiet Spaniens. An den Autobahnen gibt es unzählige Stierzüchter und Torerroschulen.

Nachts sehen wir “Tiertransporter”. Lebendige Hühner werden, in Gemüsekisten gestapelt, auf Pritschenwagen offen durch die Stadt gefahren. Als ich in einen Hinterhof blicke, sehe ich , wie einige Männer mit Latten auf ein Pferd einschlagen.

Diese Hündin hat einen zertrümmerten Hinterlauf. Nun lebt sie auf dem Grundstück von Maribell und fasst langsam Vertrauen zu ihr.

Diese Hündin hat einen zertrümmerten Hinterlauf. Nun lebt sie auf dem Grundstück von Maribell und fasst langsam Vertrauen zu ihr.

Dazu kommt, dass TierschützerInnen in dieser Gegend nicht gern gesehen werden . Als wir mit den engagierten Tierschützern der Protectore Asbaal durch die Stadt fahren, werden wir misstrauisch beäugt. Maribell bestätigt uns, dass bestimmte Personen nicht gerne beobachtet werden und es auch schon zu Drohungen gekommen ist.

Tierschützer sind nicht gern gesehen. Im Kreis: Viele Menschen halten sich Ziervögel in winzigen Käfigen

Tierschützer sind nicht gern gesehen. Im Kreis: Viele Menschen halten sich Ziervögel in winzigen Käfigen

Dabei ist die Dame sicherlich keine militante Tierschützerin. Der Antrieb, sich für die Streunertiere einzusetzen kam aus dem Unverständnis heraus, dass die Menschen ihre Mitgeschöpfe so ignorant behandeln.

Sicherheitshalber habe ich die Umgebung lieber mit dem Handy und nicht mit der Kamera fotografiert.

Im Umkreis gibt es viele Tötungsstationen, aus zweien konnte Susanne, die Organisatorin des Transports, insgesamt 27 Hunde auslösen, von denen noch viele ein Zuhause suchen.

Die Hunde wurden aus den Perreras nach Priego in die Pension “El Labrador” von Luis Miguel verbracht, der sie dort für den Transport vorbereitete.

Drr wunderschöne Antonio sucht noch ein Zuhause

Der wunderschöne Antonio sucht noch ein Zuhause

Der Pensionsbetreiber kümmert sich aufopfernd um seine Schützlinge. Viele von Ihnen haben schreckliche Erlebnisse hinter sich gebracht und reagieren panisch auf Menschen. Luis gelingt es mit viel Geduld, sich den Hunden anzunähern und ihnen das nötige Vetrauen beizubringen, welches sie brauchen, um später vermittelt werden zu können.

Mit viel Geduld gewinnt Luis das Vertrauen der Tiere

Mit viel Geduld gewinnt Luis das Vertrauen der Tiere

Um die einzige Katze, die uns begleiten sollte, unterzubringen, opferte Luis sogar sein Badezimmer, damit sich die Mietze ungestört von den Pensionsgästen aklimatisieren konnte.

Bevor wir uns die Pension ansehen konnten, holten wir noch eine Hündin mit ihren Welpen ab, die durch Luis Miguel aufgepeppelt und auf eine spätere Vermittlung vorbereitet werden sollten. Die Hundedame war für die Geburt der Welpen in ein Schulhaus gezogen. Der Direktor rief die Perrera, doch Maribell überzeugte den Hausmeister der Schule davon, die Tiere zu fangen und bei sich aufzunehmen.

Diese Welpen können sich nun in der Pension "El Labrador" auf ein schönes Leben freuen

Diese Welpen können sich nun in der Pension "El Labrador" auf ein schönes Leben freuen

Die Mutter der Kleinen schaut etwas verängstigt, aber sie ist recht zutraulich.

Die Mutter der Kleinen schaut etwas verängstigt, aber sie ist recht zutraulich.

Auf dem Weg zu “El Labrador” gerieten wir in eine Kontrolle der Guardia Civil. Einer der Polizisten erzählte den Damen, dass seine Lebensgefährtin einen Hund in Pflege hätte, worauf Maribell ihm anbot, dass der Hund mit nach Deutschland reisen könne.

Einer der Überlebenen aus der Mülltonne. Wie gesagt, die Süßen suchen noch Familenanschluss.

Einer der Überlebenen aus der Mülltonne. Wie gesagt, die Süßen suchen noch Familenanschluss.

Tatsächlich brachte der Beamte am nächsten Morgen einen Hund in die Pension und sperrte für uns sogar die Straße, damit wir mit dem gemieteten extra langen Sprinter rückwärts auf die Landstraße fahren konnten.

Auch "Tucker" sucht noch ein Zuhause. Das Foto habe ich nach Ankunft in Deutschland von ihm gemacht.

Auch "Tucker" sucht noch ein Zuhause. Das Foto habe ich nach Ankunft in Deutschland von ihm gemacht.

Zu guter letzt noch kurz die Eckdaten unseres Transportes:
In vier Tagen bin ich 4.800 km durch Deutschland, Frankreich und Spanien gefahren und wir haben insgesamt 29 Hunde und eine Katze mitgebracht.

"Dama", hier noch in Spanien, ist eine Traumhündin

"Dama", hier noch in Spanien, ist eine Traumhündin

Fast alle Tiere auf den Fotos sind noch in Vermittlung und auf Pflegestelle in Deutschland oder bei Luis Miguel in Spanien. Bei Interesse an einem der Tiere können Sie sich gerne an uns wenden.