Castell Bistal

Castell Bisbal

Unser Bericht über das “Centre d’atenció als animalis domèstics de compaynia (C.A.A.C.)” in Castellbisbal

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Wie sich Monicas Leben änderte

Anfang der 2000er Jahre war Monica Planas Casviner am Ziel. Nachdem sie erfolgreich Veterinärmedizin studiert hatte, fand sie eine gute Stelle als Tierärztin in einer Praxis in Barcelona. Doch schon bald musste sie feststellen, dass sie hier nicht nur Tieren helfen konnte, sondern auch ständig Menschen auf sie zu kamen, die “Hilfe” bei der Beseitigung von unerwünschten Hunden suchten.

Also begann Monica für die Hunde neue Familien zu suchen. “Anfangs habe ich in Zoogeschäften Plakate aufgehängt, um Adoptanten zu finden und dann, eines Tages ist es passiert.” Monica hatte vergessen, eines ihrer selbstgemachten Plakate wieder abzuhängen. So meldetet sich ein junger Mann, der einen Hund adoptieren wollte, der schon vermittelt war.

“Plötzlich hatte ich einen Adoptanten und keinen Hund,” sagt Monica, “aus diesem Grund bin ich dann ins “Centre d’atenció als animalis domèstics de compaynia (C.A.A.C.)” in Castellbisbal gefahren, um für den jungen Mann einen passenden Hund zu finden.

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Was Monica dort zu sehen bekam, sollte ihr Leben für immer verändern. Das C.A.A.C war eine Perrera, alle acht Tage wurden Hunde getötet und die Lebensbedingungen für die Tiere waren katastrophal. Die Tierärztin war von dem Gesehenen so geschockt, dass sie sich entschied, ihren gutbezahlten Praxisjob aufzugeben und ab sofort für die Hunde von Castell Bisbal zu kämpfen.

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Nachdem sie sich jahrelang mit ihrem kleinen Team alleine um die Vermittlung der Tiere gekümmert hat, arbeitet sie seit einiger Zeit mit dem Verein Hundeherzen zusammen, der sie dabei unterstützt, in Deutschland Adoptanten zu finden, Vorkontrollen vorzunehmen und die Hunde schliesslich in ihre neuen Zuhause zu bringen.

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Wie sich Dank der Hundeherzen etwas tat und wie sich die Situation heute darstellt

Seitdem das Team vom “Centre d’atenció als animalis domèstics de compaynia”mit den deutschen Tierschützern zusammenarbeitet, hat sich vieles geändert. “Früher konnten wir keine Vorkonntrollen durchführen, sondern haben die Tiere einfach abgegeben, um zu verhindern, dass sie getötet werden mussten.”, berichtet Monica.

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Mittlerweile werden die Hunde auf der Internetseite des Vereins in die Vermittlung übernommen und bei Interessenten eine Vorkontrolle durchgeführt. Wenn diese positiv ausfällt, werden die Hunde nach Deutschland geholt und an ihre neuen Familien übergeben. Auch werden Tiere in deutsche Pflegestellen geholt, wenn sie zum Beispiel gehandycapt sind oder medizinisch versorgt werden müssen.

Dieser Hündin fehlt von Geburt an ein Bein
Dieser Hündin fehlt von Geburt an ein Bein

Für das Tierheim in der Nähe von Barcelona hat dies mehrere Vorteile.

Zum einen müssen die Hunde nicht mehr getötet werden, zum anderen finanzieren die Schutzgebühren für die Vermittlung die Arbeit vor Ort. So konnten Hundehütten angeschafft und die Freiläufe etwas modernisiert werden. Und auch, wenn die Zustände im C.A.A.C. noch nicht den Standards deutscher Tierheime entsprechen, so kann doch eine einigermaßen artgerechte Haltung der bis zu 150 Hunde gewährleistet werden.

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Ein anderer – nicht zu unterschätzender – Vorteil ist natürlich auch die Tatsache, dass das Tierheim, seitdem es “Umsätze generiert” von der städtischen Verwaltung wesentlich positiver wahrgenommen wird. So bekommen die Mitarbeiter seit 2007 von der Verwaltung – bescheidene – Gehälter. Bis dahin musste sich das Team selber finanzieren.

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Auch für Futter ist gesorgt. Bis vor einiger Zeit lebten die Tiere von den Speiseabfällen, die von der örtlichen Schule gespendet wurden. Seitdem das Heim mit den Deutschen zusammenarbeitet, kann ausreichend Hundefutter gekauft werden. Außerdem erhalten Monica und ihr Team Futter- und Sachspenden für ihre vierbeinigen Schützlinge.

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Dennoch ist und bleibt das C.A.A.C eine Baustelle. Die Boxen stellen ein trauriges Erbe aus der Zeit dar, als die Tiere nach einer kurzen Frist getötet wurden. Da es auf dem Gelände, welches neben einer Mülldeponie liegt, sehr eng ist, werden einige Hunde in den Räumen untergebracht, die eigentlich für die medizinische Versorgung der Tiere gedacht sind. Also hat Monica den Bhandlungsraum kurzerhand in ihr Büro verlegt, in dem allerdings auch vier Welpen und ein Katzenbaby leben.

Zwei von Acht “Juniors”, die mit uns nach Deutschland reisen durften
Zwei von Acht “Juniors”, die mit uns nach Deutschland reisen durften

Obwohl es sehr beengt zugeht, ist es zur Zeit auf dem Gelände relativ ruhig. Etwa 60 Hunde bewohnen momentan die Anlage, in der Sommersaison werden es etwa doppelt so viele sein. So hat das keine Team etwas zeit, um ausgiebig mit den Hunden zu schmusen und kann auch die Zeit in den Freiläufen für jeden verlängern.

Mein Reisebericht und meine Eindrücke über den Hundetransport nach Deutschland

Castellbistal liegt etwa 1370 km von Frankfurt am Main entfernt. An dieser Stelle spare ich mir Details über die jeweils 14stündige Hin- und Rückfahrt mit dem Transporter, sondern nur kurz erwähnen, dass die Reise von Frankfurt am Main über Freiburg, durch Frankreich an Lyon vorbei nach Barcelona und wieder zurück führte.

Blick auf das Tierheim und Castell Bistal
Blick auf das Tierheim und Castell Bistal

Für unseren Transport wurden 31 Hunde angemeldet, die in Deutschland ein Zuhause oder eine Pflegestelle gefunden haben. Neben etwa 20 Hunden vom C.A.A.C. sollten Hunde von anderen Tierschutzorganisationen mit auf die Reise genommen werden.

Dank der wirklich hervorragenden Organisation konnten wir einen relativ ruhigen Nachmittag in Spanien bei etwa 18° verbringen und durften das Tierheim erkunden und unsere Gastgeber mit Fragen löchern.

Die vierbeinigen Bewohner des C.A.A.C begrüßten mich sehr herzlich. Überhaupt ist mir im Gedächtnis geblieben, dass die Tiere trotz ihrer teilweise schlimmen Schicksale sehr menschenbezogen sind und – als wenn sie spüren würden, dass es eine Chance auf ein neues Zuhause gibt – sehr anhänglich und verschmust sind. Und auch, wenn wir abends 20 von ihnen mitnehmen konnten, blieb natürlich das beklemmende Gefühl, eben nicht jedem der Fellnasen helfen zu können.

Diese Hunde warten noch auf ein Zuhause
Diese Hunde warten noch auf ein Zuhause

Leider haben viele der Hunde haben kaum eine Chance auf eine Vermittlung nach Deutschland oder ein neues Zuhause in Spanien. In den südlichen Ländern ist die Leishmaniose sehr weit verbreitet. Diese Krankheit, die von einem Sandfloh übertragen wird, ist zwar nicht ansteckend, die Kosten für die Behandlung und das Risiko, dass der Hund früher sterben muss, schrecken leider viele mögliche Adoptanten davon ab, ein solchen Tier zu übernehmen.

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Die Hunde von Castell Bistal

So sind die “Langzeitinsassen” des Tierheims auch deutlich skeptischer dem Menschen gegenüber und man schaut in traurige Gesichter. Ich hatte das diffuse Gefühl, dass diese Hunde auf irgendetwas warten – sie standen häufig aufmerksam und schauten in Richtung Straße – als wenn jeden Moment der Mensch käme, der sie versteht und sich ihrer annimmt.

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Warten auf ein Wunder

Gegen 18:30 Uhr kamen dann die ersten Tierschützer anderer Organisationen mit den Hunden, die uns begleiten sollten. Hier spielten sich teilweise sehr traurige Szenen ab, da einige der Tier jahrelang bei den Menschen gelebt hatten und der Abschied dem entsprechend schwer fiel. “Dies ist ein Liebesakt für die Hunde” sagt Monica, die weiss, dass die Hunde in gute Hände abgegeben werden.

Die British Bulldog-Hündin Xana hat ein Zuhause in Deutschland gefunden
Die British Bulldog-Hündin Xana hat ein Zuhause in Deutschland gefunden

Formalitäten …

Eine solche Fahrt stellt rechtlich gesehen einen Tiertransport dar. Aus diesen Gründen mussten diverse Formalitäten eingehalten werden, um im Falle einer Kontrolle böse Überraschungen zu vermeiden.

So mussten die Türen der Transportboxen mit Kabelbindern geschlossen und die Boxen selber Spanngurten gesichert werden. Da die Reise durch Frankreich führte, wurde besonders penibel darauf geachtet, dass die Boxen gut verzurrt und alle Tiere mit genügend Wasser versorgt waren.

Außerdem mussten alle Impfpässe geprüft werden. Wenn eine Impfung fehlte, konnte Monica die Tiere direkt nachimpfen. Unsere “Juniors”, die auf Grund dessen, dass sie noch keine drei Monate alt und dem entsprechend noch nicht gegen Tollwut geimpft sind, durften nicht ohne die Muttertiere reisen.

Die Boxen, in denen die Tiere transportiert wurden
Die Boxen, in denen die Tiere transportiert wurden

Denn: Wenn man in eine Kontrolle gerät, kann es passieren, dass die Beamten ein Tier nicht einreisen lassen, wenn nicht alle Papiere in Ordnung sind. Die Zollbeamten können verlangen, dass alle Tiere entladen werden und überprüfen dann die Mikrochips der Tiere. Anhand des Impfausweises wird dann überprüft, ob es sich tatsächlich um den Hund handelt, ob dieser ordnungsgemäß geimpft ist und ob eine Gefahr in Bezug auf das Seuchenschutzgesetz besteht.

Es ist schon vorgekommen, dass ein solcher Transport mit Stunden oder gar Tagen Verspätung in Deutschland eingetroffen ist. So wurden im Jahr 2007 von italienischen Grenzbeamten 102 Hunde aus Griechenland illegal beschlagnahmt und in ein Tierheim gebracht, obwohl diese bereits rechmäßig den deutschen Adoptanten gehörten.

Mein Fazit und Gedanken über den Auslandstierschutz

Gegen 20:00 Uhr konnten wir losfahren. Nach anfänglichen Gebelle und Gefiepe waren unsere Fahrgäste nach kurzer Zeit ruhig und friedlich. An einer Raststätte nahe der französischen Grenze nahmen wir noch vier Hunde von einem deutschen Paar entgegen, die die Tiere aus dem Tierheim Pals rausgeholt hatten. Nach ca. 14 Stunden kamen wir dann müde, aber erleichtert an unserem Ziel in der Nähe von Darmstadt an.

Die bereits abgeladenen Boxen mit ihren Insassen
Die bereits abgeladenen Boxen mit ihren Insassen (die Gekippte war bereits leer!)

Hier warteten schon die neuen Familien und Pflegeeltern der Hunde. Ausgestattet mit den Impfpässen, wichtigen Infos und Medikamenten konnten Hunde und neue Herrchen in ein neues Leben starten.

Einige Gedanken zum Auslandstierschutz

Viele Menschen sind der Meinung, dass in Anbetracht überfüllter Tierheime in Deutschland die Vermittlung von Tieren aus dem Ausland zumindest fragwürdig ist. Außerdem schleppen Hunde aus dem Süden häufig Leishmaniose-Viren ein und überhaupt: Auslandstierschutz ist ein Faß ohne Boden – für jedes vermittelte Tier kommt ein anderes in die Perreras in Spanien oder die Canile in Italien.

Diese dreibeinige Hündin sucht noch ein Zuhause
Diese dreibeinige Hündin sucht noch ein Zuhause

Sicherlich handelt es sich hierbei um Argumente, die richtig sind.

Dennoch bin ich der Meinung, dass es sehr wohl sinnvoll ist, im Ausland Tierschuz zu betreiben und Hunde und Katzen nach Deutschland zu vermitteln. Denn auch für meine Sicht der Dinge gibt es gute Argumente:

Zum einen leisten die deutschen Tierschutzorganisationen Hilfe zur Selbsthilfe. Viele Ehrenamtliche sind vor Ort und helfen den häufig finanziell angeschlagenen Tierheimen, Standards zu verbessern, Kastrationen durchzuführen und unterstützen mit logistischer und organisatorischer Hilfe. So hat zum Beispiel das Tierrefugium Hanau im Jahr 2007 zusammen mit der Tierherberge Donzdorf mehr als 4,5 Tonnen Futter gesammelt und an Tierheime geliefert. Der “ETN” führt Kastrationen in Südeuropa durch, um so die unkonntrollierte Vermehrung von Streunerhunden zu unterbinden.

Der Verein Hundeherzen e.V. berichtet auf seiner Homepage über mehr als 900 erfolgreiche Vermittlungen von Hunden. Jede einzelne Vermittlung bedeutet eine Entlastung für die Tierheimbetreiber und die Vermittlungsgebühren helfen, das Heim zu unterhalten. Natürlich wird jeder freie Platz von einem neuen Hund eingenommen, durch die Einnahmen wird jedoch ermöglicht, dass eine ordentliche Grundversorgung gesichert werden kann.

Eine von zwie Katzen, die wir mitnehmen konnten
Eine von zwie Katzen, die uns begleiten konnten

Außerdem gibt es in deutschen Tierheimen zwar viele Tiere, die ein Zuhause suchen. Gerade bei den Hunden ist es jedoch so, dass kleine und mittelgroße Rassen sehr selten anzutreffen sind. Für die Interessenten, die in den Tierheimen nicht fündig werden, stellen die Hunde aus dem Ausland eine gute Wahl dar. Neben der Tatsache, dass einem armen Tier ein gutes Zuhause gegeben werden kann, ist auch erwiesen, dass die Hunde aus dem Tierschutz sehr menschenbezogen werden und sehr sozial sind. Die Alternative wäre, dass solche Leute zu Züchtern gehen und damit einen fragwürdigen Markt beleben. Die Alternative für die Hunde wäre, dass sie eingeschläfert werden, wenn sie nicht vermittelbar sind.

Zudem, und das sollte man sich immer vor Augen halten, ist die Streunerhunde-Problematik in Süd- und Osteuropa ein menschengemachtes Problem. Die Hunde haben es sich schliesslich nicht ausgesucht, auf der Straße zu leben.

Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass viele Menschen ihre Hunde als “Gäste” betrachten. So bekommen die Hunde von Menschen Futter und Wasser, für medizinische Versorgung oder Erziehung möchten diese Menschen dann jedoch nicht aufkommen. Menschen setzen Hunde aus oder weigern sich aus falschverstandenem Stolz, sie kastrieren zu lassen. Ein großer Teil der Straßenhunde sind Nachkommen von Familienhunden. Erst, wenn es selbstverständlich ist, seinen Hund kastrieren zu lassen, zeigen auch die Kastrationsaktionen der Tierschutzorganisationen endlich die gewünschte Wirkung.

Auch dieser Hund wartet auf eine Familie
Auch dieser Hund wartet auf eine Familie

Zu guter Letzt möchte ich mein persönlich wichtigstes Argument in Form einer Geschichte darstellen, die ich auf der Webseite der Tierherberge Donzdorf gefunden habe: