Spinnefeind …

(c) pixelio.de

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Es sind schwere Zeiten. Auch wenn die Medien das Ende der Wirtschaftskrise beschwören und die neue Regierung voll auf “Wachstum” setzt, spüren insbesondere Tierschützerinnen und Tierschützer, dass die Bereitschaft zu spenden deutlich abnimmt.

Dies ist auch kein Wunder. Gerade heute ging durch die Nachrichten, dass sich das Konsumklima verschlechtert hat. Die Menschen sind völlig zu Recht vorsichtig, die Angst um Arbeitslosigkeit geht herum und dem entsprechend sind viele Ende 2009 lange nicht mehr so großzügig wie noch vor zwei Jahren.

Vielen Tierschutzorganisationen wird also Angst und Bange bei der Frage, wie sie ihre Arbeit finanzieren sollen und so müssen Wege gefunden werden, an Geld zu kommen.

Nun könnte man erwarten, dass sich die Orgas Gedanken machen und mit kreativen, aussergewöhnlichen und neuen Ideen auf “Spendenfang” gehen.

Weit gefehlt …

… dafür findet sich in letzter Zeit vermehrt ein neuer Trend:

Viele Tierschützer und insbesondere -Innen haben eine besonders “kreative” Möglichkeit gefunden, wie sie mit der verschärften Lage umgehen. So erreichten mich in den letzten zwei Wochen insgesamt 15 (sic!) E-Mails von besorgten Menschen, die herausgefunden haben wollen, dass ein Tierschutzverein oder eine Person entweder

a) Gelder veruntreut
b) Lügen verbreitet
c) als Hundehändler arbeitet
oder alles zusammen tut.

In jeder E-Mail wurde eindringlich davor gewarnt, diesem Verein oder dieser Person zu vertrauen oder mit ihnen zu arbeiten. Und in jeder E-Mail wurden möglichst viele Menschen in Kopie genommen.

Nun, machen wir uns nichts vor.

Viele TierschützerInnen sind sich untereinander spinnefeind. Aus einem gegründeten Verein gehen in der Regel innerhalb von zwei Jahren mindestens drei Splittergruppen hervor. Meistens scheitert die Zusammenarbeit nicht an unterschiedlichen Ansichten, sondern an persönlichen Streitereien, Machtansprüchen und Vereinsfilz.

Und gerade in Zeiten, wo wenig Geld da ist und die Nerven noch etwas blanker liegen als sonst, eskaliert eine kleine Meinungsverschiedenheit vielleicht etwas schneller als zu anderen Zeiten.

Dennoch wundert mich die Häufigkeit und die Intensität der letzten Zeit.

Fremdschämen ist angesagt …

Das führt dann soweit, dass die Beteiligten in großer Runde mit Dreck um sich werfen. Und mit jeder E-Mail, jedem Foreneintrag wird die Schar der Involvierten größer. Gönnen Sie sich einfach mal den “Spass” und besuchen Sie ein X-beliebiges Tierschutzforum. Es wird nicht lange dauern, bis Sie auf heftigste Streitereien treffen.

Dabei wird mit schmutzigen Details nicht gespart. So erfahren wir alles über die Beteiligten: von finanziellen und gesundheitlichen Problemen, sexueller Orientierung inkl. aller Fetische, Verwandschaftsverhältnissen, unehelichen Kindern, Falten, Cellulitis, Warzen und so weiter und so fort.

Hier werden Telefonnummers oder ganze Adressen und privateste Details mit dem Ziel, zu verletzen, veröffentlicht. Man bezichtigt sich gegenseitig diverser Straftaten und schlussendlich sind es meist besonnene Administrator oder User, die dem Terror ein Ende setzen, in dem sie auf das eigentliche Thema des Forums hinweisen.

Nur zur Erinnerung – hier geht es um Tierschutz ;-)

Die Ergebnisse solcher Auseinandersetzungen tragen häufig sehr seltsame Züge. So wurde ich einmal Zeuge, wie sich zwei Damen mittleren Alters beinahe darum prügelten, wer denn nun die Katze retten dürfe.

So mag der Ausruf “Aber ICH wollte das Kätzchen retten!” noch Schmunzeln hervorrufen. Wesentlich weniger lustig stellt sich ein solcher “Zickenkrieg” dort da, wo eigentlich ein kühler Kopf bzw. eine helfende Hand von Nöten wäre.

Ein Beispiel aus dem richtigen Leben:

Eine deutsche Tierschutzorganisation arbeitet mit einem Tierheim im Ausland zusammen und vermittelt Hunde aus eben diesem Tierheim nach Deutschland. Um in den Genuss dieser selbstlosen Hilfe zu kommen, mussten sich die Betreiber des Tierheims jedoch verpflichten, exclusiv und ausschliesslich mit diesem Verein zu arbeiten.

Dieser Vertrag hat einzig und allein zum Zweck, sich die lästige Konkurrenz vom Hals zu halten. Insbesondere die, die sich aus ehemaligen Mitstreitern rekrutiert. Natürlich behauptet der Verein das Gegenteil und verweist darauf, dass man ja schliesslich einiges vor Ort erreicht habe.

Als wir im Sommer diesen Jahres einen Hund zwecks Vermittlung an eine Familie aus diesem Tierheim holen wollten, musste uns die Leitung mitteilen, dass sie uns das Tier leider nicht geben dürfe und verwies darauf, dass der besagte Verein ansonsten die Hilfen einstellen würde.

Was ist die Folge? Wenn der “Exclusiv-Verein” einen Hund nicht vermittelt, gibt es für eine andere Organisation keine Möglichkeit, dem Tier zu helfen. Schade für den Hund, jämmerlich für den Verein …

Die Tierschützer im Ausland sind übrigens häufig irritiert bzw. verwundert oder gar beschämt über die Art und Weise, wie die viele deutsche Tierschützer “zusammenarbeiten”.

Sooo schwer können die Zeiten eigentlich nicht sein …

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Ein Kommentar zu “Spinnefeind …”

  1. Heike Radtke sagt:

    Ich pflichte Ihrem Artikel völlig bei! Ich frage mich schon seit Jahren, warum man nicht stärker bemüht ist, bei knapper werdenden Ressourcen die Aktivitäten zu bündeln! Auch ich habe erlebt, wie es ausschaut, wenn der eine Tierschutzverein den Erfolg und die Bemühung des anderen diesem nicht “gönnt”. Persönliche Befindlichkeiten sollte hier einfach keinen Platz haben und man/frau sollte hier nur der Sache – nämlich dem Tierschutz- dienlich sein….Neiddebatten und daraus resultierende Schäden für die Sache an sich sind hier einfach nicht angebracht!!

    Heike Radtke

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