Unerwartete Gegner

Jeder von uns, der im Tierschutz tätig ist, muss früher oder später feststellen, dass sein soziales Engagement nicht nur positive Resonanzen mit sich bringt. Zum Einen wird man mit allgegenwärtiger Missgunst und Streitereien innerhalb der Tierschutz-”Szene” konfrontiert, zum Anderen wird die tierschützerische Tätigkeit im Freundes- und Bekanntenkreis häufig als nervig oder Spinnerei abgetan.

Zudem gibt es viele Menschen, die insbesondere den Auslandstierschutz in Frage stellen und mal mehr oder weniger stichhaltige Argumente dagegen liefern.

Als größtes Übel innerhalb des Tierschutzes gelten meiner Meinung nach die schwarzen Schafe, die es leider zu Hauf gibt und die unser aller Ruf schädigen.

Nun, mit diesen Umständen muss man wohl leben und arrangiert sich mit den negativen Seiten. Schliesslich geht es hier um die Tiere und es wäre sicherlich falsch, sich von solchen Fallstricken beirren zu lassen.

Doch treffe ich in letzter Zeit immer häufiger auf “unerwartete Gegner”, und zwar so geballt, dass ich diesen Artikel schreibe und Sie, liebe Leserinnen und Leser, frage, ob Ihnen ähnliches passiert ist oder ob ich einem Zufall auferlegen bin.

Sind Tierschützer bei Versicherungen unerwünscht?

So bekam ich vor kurzem einen Anruf von einer befreundeten Tierschützerin, die mir erzählte, dass das Versicherungsunternehmen, mit dem sie schon seit Jahren zusammenarbeitet, sich plötzlich weigert, die Pflegestellenversicherung weiter anzubieten.

Ein anderer Tierschützer berichtete mir, dass er ebenfalls Probleme mit seiner Versicherung hat, die sich weigert, einen Hund zu versichern, obwohl dieser weder auf irgendeiner Liste steht, irgendeinen “Vorfall” hatte noch besonders groß oder ähnliches ist.

Dem bin ich spasseshalber mal nachgegangen und habe festgestellt, dass ich meinen Hund bei exakt der Versicherung, bei der ich ihn vor 2 Jahren versichert habe, heute nicht mehr versichern könnte … Merkwürdig.

Besonders herausragend fand ich jedoch, dass die gleiche Versicherung mir auf Anfrage mitteilte, dass sie sogenannte Zwingerversicherungen nur noch für Züchter anbietet und diese Police Tierschutzvereinen nicht mehr zur Verfügung steht.

Nun, natürlich kann es sein, dass gerade die Tierschutzvereine sich als besonders kostenintensiv herausgestellt haben, allerdings sollten die Versicherungen nicht vergessen, dass eben diese Vereine auch Ansprechpartner Nummer Eins sind, wenn Adoptanten Fragen zu Versicherung, Hundesteuer und Co. haben.

Todbringende Hunde aus dem Ausland?

Ebenfalls erstaunlich häufig erleben wir in letzter Zeit, dass ausgerechnet Tierärzte stellenweise sehr ablehnend auf Hunde reagieren, die aus dem Auslandstierschutz stammen. So häufen sich Berichte von Organisationen und Adoptanten, dass sie nahezu wie Kunden zweiter Klasse behandelt werden, wenn sie mit ihrem Vierbeiner beim Tierarzt vorstellig werden und dieser den Heimtierausweis aus einem anderen Land  erblickt.

Mir selber ist es vor ein paar Tagen passiert, dass eine Interessentin für einen unserer “Palencia”-Welpen nach erfolgreicher Vorkontrolle plötzlich Abstand von der Adoption des Hundes nahm.

Begründung: Ihr Tierarzt hatte ihr eindringlich davon abgeraten, den Hund zu übernehmen, da “solche Tiere” Krankheiten einschleppen und früher oder später schwer krank werden.

Dann, vor einigen Wochen, bekamen wir eine Anfrage, ob wir einen alten Hund aufnehmen könnten, der schon seit Jahren in einer Familie mit Kind lebt. Als der Hund Symptome gezeigt hat, die auf Leishmaniose deuten könnten, wurde der Besitzerin von ihrer Tierärztin dringend geraten, das Tier sofort abzugeben, weil es eine Gefahr für die Gesundheit des im Haus lebenden Kindes darstellen würde.

Nun sollte man eigentlich der Meinung sein, dass ein Tierarzt doch Interesse daran haben sollte, seinen Kunden unaufgeregt und sachlich aufzuklären. Schliesslich ist die Gefahr, Leute in Panik zu versetzen doch recht hoch, wenn es um das eigene Haustier geht und welcher Veterinär möchte schon angsterfüllte Kunden haben?

Jägerlatein als Running Gag

Derweil macht ein besonders makabrer “Running Gag” im Hochtaunuskreis (aber sicherlich auch anderswo) in diesen Wochen wieder die Runde. Bereits seit über einem Jahrzehnt erscheint in den Regionalzeitungen immer die gleiche Anzeige, aufgegeben von den örtlichen Jägern:

Abgebildet ist ein totes Reh, um genauer zu sein, das selbe Reh, welches in den Jahren zuvor auch abgebildet war. Darüber die Überschhrift: “Belohnung”, gefolgt von dem Aufruf, dass ein wildernder Hund eben dieses Reh gerissen hat und der Jenige, der einen Hinweis auf die Ergreifung liefert eben eine Belohnung erhält.

Nun, falls das Reh tatsächlich von einem Hund gerissen wurde, kann man wohl davon ausgehen, dass der Bösewicht rein gesundheitlich nicht mehr in der Lage sein dürfte, eine solche Tat zu wiederholen.

Interessant ist allerdings der Aspekt, dass die Regionalzeitungen diesen durchschaubaren Unsinn Jahr für Jahr nahezu identisch abdrucken, ohne zu hinterfragen, ob etwas an der Geschichte dran ist.

Lobbyisten gegen Tierschützer?

Doch was steckt dahinter? Wer hat ein Interesse daran, an sich harmlosen Tierschützern das Leben und die Arbeit zu erschweren? Während ewiggestrige Jagdtreibene von Natur aus kein Interesse daran haben dürften, dass irgendjemand ihr “Revier” betritt, sieht das bei Versicherungen, Tierärzten und willfährigen Regionalzeitungen schon etwas aus.

Nun, eine kleine Regionalzeitung wird einer Jagdgesellschaft kaum eine Anzeige abschlagen. Zumal die Jäger gerade im ländlichen Raum einen enormen Einfluss haben, häufig öffentliche Ämter bekleiden und sich zum Teil aus der regionalen Wirtschaft rekrutieren.

Und ein Tierschutzverein, der Hunde aus Spanien vermittelt, tritt in Konkurrenz zu einem Züchter, der Hunde verkauft. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade aus den Zuchtverbänden und den auf Rasse spezialisierten “Hundesportvereinen” jedes “Tod und Teufel”-Argument genutzt wird, um die eigene “Ware” anzupreisen und die Konkurrenz gleichzeitig schlecht aussehen zu lassen.

Auch die Veterinärbehörden sind häufig nicht besonders begeistert von engagierten Tierschützern, stellen diese doch ein enormes Maß an Arbeit dar. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich bestimmte Veterinärämter beinahe einen Namen als Tierschutzgegner gemacht haben, was in manchen Fällen tatsächlich dazu führt, dass ein Verein seine Arbeit aufgibt oder den Standort wechselt.

Paranoia oder Zufall?

Nun könnte ich hier ewig referieren, wie frustrierte Massenvermehrer und Zuchtfetischisten ihre Tierärzte unter Druck setzen und wie missmutige Behördenvertreter dauernörgelnde Tierschützer ins Visier nehmen. Ich könnte Vermutungen darüber aufstellen, dass es eben doch eine gewaltige Lobby gibt, die aus für sie guten Grund unsere Arbeit erschwert,  sabotiert und wie sie in verschiedenen Bereichen Druck ausübt..

Doch ob meine Vermutungen stimmen, ob es tatsächlich nur eine zufällige Häufung von Ärgernissen ist oder ob ich gar meine Verstand verliere, kann und möchte ich hier nicht klären.

Merkwürdig bleibt es trotzdem …

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Ein Kommentar zu “Unerwartete Gegner”

  1. Jenna sagt:

    Hallo!
    Seit ich denken kann, versuche ich Tieren zu helfen. Sei es das Ferkel, das halbtot vom Bauern auf den Mist geworfen wurde, die Aaskrähe, die angefahren auf der Autobahn sitzt oder das Verwaiste Katzenbaby, das plötzlich im Pferdesall auftaucht.
    Diese Hilfe werde ich weiterhin jedem Tier bieten, welches mir bedürftig erscheint.
    Tierschutzvereine und Orgas können mir jedoch gestohlen bleiben. Aktuell habe ich eine kleine Hündin aus Polen bei mir. Sie ist ein Pflegehund, den ich zu Beginn mit Option zur Übernahme bekommen habe.
    Ich bin mit klaren Vorstellungen und klar geäußerten Wünschen auf die Tierschutzorganisarion zugegangen. Es sollte eine kinderliebe und -kennende Fusshupe sein, die sozialverträglich ist. Das Aussehen und das Alter war mir egal. Ich wollte den Hund bei mir kastrieren lassen und wollte auch die Mehrkosten übernehmen um das Tier zu schonen und ihr nicht noch eine Reise mit frischer Bauch-OP zuzumuten. Kurzum, bekommen habe ich einen panischen Hund der nach Kindern schnappt mit frischer Kastrationswunde am Bauch, appetitlos, da sich nette Einzeller namens Giardien in ihrem Bauch tummeln und blutigen Durchfall ( auch auf meinem Wohnzimmerteppich) produzieren. Einen Impfausweis gibt es angeblich noch in Polen.
    Als ich die Tierschützerin fragte, ob der Hund nicht eine Halskrause braucht, um das Lecken an der Wunde zu verhindern, wurde das mit einer lapidaren Handbewegung verneint.
    Gestern waren wir beim Tierarzt: zu der Wunde sagte der TA nur, dass es erstaunlich sei, wie viele Arten es doch gäbe, eine Wunde zu vernähen. Die Giardien sollten mir auch noch eine Menge Arbeit machen.
    Nach dem Telefonat mit der Tierschützerin hatte ich nur noch Wut im Bauch. Ich hätte nun mehr auf die Wunde achten sollen, es wäre nicht klar gewesen, ob die Fäden selbstauflösend sind und natürlich hätte ich eine. Krause besorgen müssen. Die Infektion ist auch meine Schuld, da der Hund bei mir aus einer Pfütze gesoffen hat. Dass der Hund einen Tag nach OP mit 54 anderen Hunden auf dem LKW war und sich hier etwas zugezogen haben kann, wurde als lächerlich bezeichnet.
    Auch sollte ich mich nicht so anstellen was den Durchfall im WZ betrifft. Ich habe aber gerade in diesem Zimmer ein spielendes Kleinkind.
    Heute wird die Hündin ( jetzt ist sie wieder fitt) gegen meinen Willen zu einer anderen Pflegestelle gebracht. Ich wollte sie behalten bis sie eine Endstelle hat. Jetzt wird sie zum Wanderpokal, und das nur, damit sich die Tierschützerin auf die Schulter klopfen kann und sich selbst zur Rettung eines Hundes beglückwünschen kann.
    Ich dachte mal, dass es keine schlimmeren Tierschützer gibt als die Dame vom Katzenschutzbund, die mir allen Ernstes vorschlug, mein Pferd abzuschaffen, damit ich mehr Katzen halten und finanzieren könnte.
    Für mich gilt ab heute: Tierschutz – nein danke! Tieren helfen? Ja, immer und mit aller Kraft, die ich habe!

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