Von Lügen und deren Opfern
Von normen | 8. Januar 2009 | Kategorie: Aktuelle Informationen |
Gestern unterhielt ich mich mit einer Bekannten, die in einem großen Tierheim arbeit und täglich mit Abgabetieren zu tun hat. Sie erzählte mir, dass sie gerade einen ganz süssen Labrador-Mix – nennen wir ihn “Sammy” - reinbekommen hätten, der von seinem Herrchen im Tierheim abgegeben wurde, weil er wohl die Familie “terrorisiert” und schlussendlich den achtjährigen Sohn gebissen hätte.
Doch weder bei der Abgabe noch im Umgang mit den TierpflegerInnen hat sie irgendwelche Aggressionen bei dem Hund feststellen können – auch mit seinen Artgenossen versteht sich Sammy prima.
Dennoch scheint sein Schicksal besiegelt: Auf die berichteten Dominanzprobleme und die Beißattacke muss meine Bekannte bei den Vermittlungsgesprächen aufmerksam machen und so wird der süsse Labbi wohl lange Zeit im Tierheim bleiben müssen.
Was ist, wenn alles anders ist?
Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie hoch der Wahrheitsgehalt bei der Begründung für die Abgabe von Sammy war.
Vielleicht war er in seiner Familie tatsächlich ein dominanter und aggressiver Hund. Vielleicht war seine Familie überfordert, vielleicht war er auch unterfordert und unausgeglichen …
Aber: Vielleicht hatte Sammies Herrchen auch einfach keine Verwendung, keine Zeit oder kein Interesse mehr für den Hund. Was ist, wenn Sammy in Wirklichkeit ein Traumhund ist und sein Herrchen die Beiß-Geschichte nur erfunden hat, um eine gute Ausrede zu haben? Was ist, wenn dem Herrn nur das Rückrat fehlte, einfach zuzugeben, dass er keine Lust mehr auf Sammy hat?
Nun, wie ich bereits schrieb weiß ich nicht, ob die Argumentation stimmt oder nicht. Dennoch ist es doch merkwürdig, wie vielen Tieren und insbesondere Hunden schlechte Eigenschaften unterstellt werden, die sich dann in den Auffangstationen und Tierheimen als echte Schmusebacken herausstellen.
Ich kenne keine Statistik, aber zumindest gefühlt glaube ich, dass mindestens 80 Prozent der Leute, die einen Hund ins Tierheim geben irgendeine Geschichte auftischen, um nicht als Unmenschen angesehen zu werden.
Das Ergebnis sind dann nicht vermittelbare Tiere mit negativen Biografien. Wer möchte schon einen Hund aufnehmen, der mal gebissen hat, aggressiv oder dominant war.
So viel Respekt sind Sie ihrem Tier schuldig!
Vielleicht gibt es wichtige Gründe, warum man ein Tier abgeben muss und es ist sicherlich eine sehr unangenehme Sache, das Tier dann zu übergeben. Dennoch: Auch wenn es unangenehm, peinlich oder was auch immer ist – erweisen Sie Ihrem Haustier ein letztes Mal so viel Respekt und seien Sie ehrlich, was die Gründe angeht.
Nur so hat IHR “Sammy” eine reelle Chance ein gutes, neues Zuhause zu finden und ein schönes Leben zu führen!
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