Vorsicht, Krake!
Von Normen | 12. April 2010 | Kategorie: Aktuelle Informationen |Hin und wieder bekommen wir E-Mails oder Anrufe von lieben Menschen, die uns fragen, wie sie aktiv Tierschutz betreiben können oder sich stärker als bisher engagieren können. Dies freut uns natürlich sehr, denn jede helfende Hand ist willkommen und wird gebraucht.
Dennoch möchte ich auf einen Punkte aufmerksam machen, der Ihnen bei Ihrem Entschluss helfen und verhindern soll, dass Sie sich unglücklich machen. Denn Tierschutz ist eine “Krake”, die ab einem gewissen Punkt Ihr Leben verändert.
Bei vielen Menschen und vielleicht auch bei Ihnen beginnt die Tierschutz-”Karriere” so oder so ähnlich:
Nachdem Sie ein Tier aus dem Tierschutz adoptiert haben, entschliessen Sie nach einiger Zeit dazu, sich ehrenamtlich einzubringen. Dies ist dann der Punkt, an dem die “Krake” zuschlägt.
So bieten Sie anfangs vielleicht Vor- und Nachkontrollen an, stellen sich als Pflegestelle zur Verfügung, springen als Flugpate oder Flugpatin ein, backen Kuchen für das Sommerfest, verteilen Flugblätter etc.
Nach einiger Zeit sind Sie dann AbonnentIn der verschiedenen E-Mail-Verteiler. Beinahe täglich erreichen Sie schlimme Bilder aus dem Ausland. Gequälte, kranke und hungernde Tiere und traurige Augen, die Sie anblicken und Ihnen sagen wollen, dass Sie helfen müssen.
So beginnen Sie, von Pontius zu Pilatus zu laufen, um Spenden zu sammeln; zunächst bringen Sie Ihre Beute zu einem Tierschutzverein. Gleichzeitig erhöht sich die Zahl Ihrer Mitbewohner – während Sie vor einiger Zeit vielleicht noch einen Hund hatten, wohnen nun drei Hunde und zwei Katzen bei Ihnen.
Während die Zahl Ihrer Mitbewohner steigt, sinkt die Zahl Ihrer Freunde, die Ihr ständiges Gerede über die Situation der Tiere im In- und Ausland nicht mehr ertragen können.
Irgendwann erhalten Sie dann wieder einen Hilferuf aus einer Tötungsstation – nur dass sich dieses Mal niemand findet, der helfen möchte. Die Bilder gehen Ihnen nicht mehr aus dem Kopf und Sie beginnen, Ihre komplette Freizeit dafür zu opfern, Pflegestellen und Adoptanten für die Tiere zu suchen.
Und genau jetzt passiert es vielleicht auch Ihnen, dass Sie soweit sind und Ihre früheren Hobbies und Sozialkontakte über Bord werfen. Während Ihre völlig entnervte Familie ob Ihres neuentdeckten Vegetarismus noch so etwas wie “Zwangs-Solidarität” empfindet, können Ihre alten Freunde und Bekannten Sie nur noch schwer ertragen.
So kommt es, dass Sie das erste Mal in ein Tierheim oder eine Tötungsstation fahren und direkt und unmittelbar erfahren, wie die Situation vor Ort aussieht. Und während Sie die Tieren aus dem Hilferuf retten, müssen Sie die vielen Tiere, die Sie erst jetzt kennenlernen konnten, zurücklassen.
Und die um ein wenig Zärtlichkeit bettelnden Hunde und die ihrem Stolz beraubten, eng zusammengeferchten Katzen verfolgen Sie bis in Ihre Träume. Die Realität riecht, hört und fühlt sich anders an als die Bilder in den E-Mails und die Videos im Internet.
An diesem Punkt steigt die psychische Belastung, parallel dazu sinkt rapide der Kontostand. Shopping bedeutet für Sie nun, dass Sie im Zoofachgeschäft einkaufen. Während Ihr Hausarzt Sie schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hat, hat Ihr Tierarzt Dank Ihnen den besten Umsatz seit Jahren.
Ihre Urlaubsplanung dreht sich um die Organisation von Hilfstransporten, Ihre Karriereplanung um die Organisation eines Hundesitters und Putzen wird zu Ihrem liebsten Hobby.
Im Internet und in Gesprächen werden Sie mit Jagdvergehen konfrontiert, erschrecken über die Quälerei von sogenannten Nutztieren und müssen sich mit grauenvollen Tierversuchen und der skrupellosen Pelzindustrie auseinandersetzen.
Doch nicht nur das:
Als Sie sich über einen der vielen Fleischskandale informieren wollen, stossen Sie auf die Webseite von footwatch und finden heraus, dass nicht nur das abgepackte Industriefleisch voller Müll steckt. Auf der Suche nach ein Paar Schuhen finden Sie heraus, dass Ihre Lieblings-Sneaker durch Kinderhände unter schlimmen Bedingungen hergestellt werden. Sie stellen fest, dass die Werbung Sie manipuliert und die Industrie unsere Umwelt zum Zwecke der Gewinnmaximierung opfert.
Irgendwann stellen Sie fest, dass Sie und Ihr Leben sich geändert haben. Und dabei haben Sie doch nur bei LASSY.org angerufen und wollten helfen.
In diesem Sinne, wir freuen uns auf Ihre Nachricht!
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Tiere können nicht für sich selbst sprechen. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir als Menschen
unsere Stimme für sie erheben und uns für sie einsetzen.